Liebenswerte alte Bäume in Herbstein

Bäume sind markante Punkte in einem Stadtbild. Oft sind Straßenzüge oder Plätze geprägt von einzelnen Bäumen oder aber sogar nur wegen dem Standort eines alten Baumes entstanden.

Einzelne Bäume als Grenzpunkt, als Gerichtsstandort, als Erinnerung an wichtige Ereignisse, Baumgruppen als Beschattung oder Begrenzung und sogar mit Schutzfunktion als natürliche Befestigung des Ortes hatten immer einen wichtigen Sinn.

Als Schmuck wurden Bäume oft an Kirchen oder Kapellen sowie Feldkreuzen und Bildstöcken gepflanzt, später auch an herrschaftlichen Häusern.



Und ganz oft können diese Bäume Geschichten erzählen…




Kaisereiche am alten Spritzenhaus. Sie wurde im Jahre 1913, am hundertsten Jahrestag der Völkerschlacht bei Leibzig gepflanzt.

Auszug aus der Stadtchronik:

 



18.10.1913. Feier der 100jährigen Wiederkehr des Tages der
Völkerschlacht von Leipzig.

Auch in hiesiger Gemeinde wurde dieser Tag in entsprechender
Weise gefeiert. Samstag (18. Oktober) nachmittags von 12 – 12 ½ fand
feierliches Glockengeläute statt.

Abends 6 Uhr versammelten sich sämtliche Vereine mit ihren Fahnen nebst der ganzen
Gemeinde auf dem Marktplatz, wo Pfarrer Winter die Gedächtnissrede von der
Rathaustreppe aus an die Versammlung hielt. Nach derselben wurden dann unter
den Klängen der Herbsteiner Musikkapelle ein Festzug nach dem Fulderberg (Heidengrab) veranstaltet und daselbst unter Absingung patriotischer Lieder ein großes Freudenfeuer abgebrannt.

Auf den umliegenden Höhen sah man die Feuer von Ilbeshausen, Eichelhain, Hopfmannsfeld aufleuchten.
Am nächsten Tage (Sonntag, den 19. Oktober) fand nach dem Hochamte in der
Kirche feierliches Te Deum statt zum Dank für den Sieg in der Völkerschlacht
und die Befreiung unseres Vaterlandes. Möge es noch lange Jahre sich des
Friedens und Wohlstandes erfreuen, an dem es seit 1870 sich emporgeschwungen
hat.

Am Nachmittag wurde zur Erinnerung an diese Feier die Friedenseiche an der Lanzenhainerstraße (Schweinemarkt) nach einer Ansprache des Beigeordneten Josef Kübel gepflanzt und dabei ein steinerner Krug mit der Urkunde darüber in die Erde mit versenkt. Die Schuljugend, welche die Feier durch Deklamationen und Lieder verschönte wurde dabei mit Brezeln beschenkt.

Mächtige Linde auf einem Privatgrundstück am Marktplatz (Sie ist als Naturdenkmal geschützt)
Auch vor diesem Haus standen ehemals zwei Linden
Alte Linden am Friedhofeingang
Linden auf dem "Turneplatz", dem jetzigen Spielplatz am Katholischen Kindergarten St. Martin
Auch direkt an den Häusern am Kirchplatz standen hohe Bäume, wie diese Aufnahme aus der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts zeigt
"Deppemoat" ca. 1900. (Heute Hessenstraße/Ecke Postberg) im Hintergrund sieht man die Chauseebäume der in 1842 erbauten Provinzialstraße

Auf dem schon in 1403 erwähnten Heiligenräschen scheint schon in alter Zeit ein Kreuz gestanden zu haben. Nach einer Überlieferung wurde dort der zweite Segen bei bestimmten Prozessionen gegeben.

Am 11.08.1907 wurde ein neues Kreuz von Pfarrer Daus eigeweiht.

Den Corpus des heutigen Kreuzes schnitzte der Herbsteiner Bürger Christoph Dehn, der einige Zeit in Erbach in der Schnitzschule ausgebildet wurde.

Linden, die das Kreuz am "Heiligenräschen" in der Rixfelder Straße flankieren. (Aufnahme ca. 1960)
Das letzte Stück des Weges zur Kapelle, der sogenannte "Kabellepod" ist eine wunderschöne Lindenallee. Sie wurde vermutlich vor der Einweihung der Kreuzkapelle in 1854 gepflanzt.
Die wunderschöne Lindenallee beschattete und schützte die alte Wasserleitung, die vom "Weißen Born" kommend in die Stadt verlegt war.
Pyramideneiche vor der ehemaligen "Villa Kübel" (später Post)

Es kann als sicher gelten, dass alle in Europa kultivierten Pyramideneichen auf die "Schöne Eiche" bei Harreshausen zurückgehen. Zahlreiche Wissenschaftler, Botaniker und Forstleute haben sich ihr gewidmet und ihre Lebensgeschichte gut aufgeklärt. Es handelt sich um eine Knospenmutation an einer Stiehleiche, die mittlerweile rund 550 Jahre alt ist. Ende des 18. Jahrhunderts verwendeten einige Fürstenhäuser, vor allem die hessischen Landgrafen in Kassel, junge Pyramideneichen als fürstliche Geschenke. In späteren Jahren galt es auch unter vermögenden Geschäftsleuten als chic, seinen Vorgarten mit einer teuren Pyramideneiche zu verschönern.



Villa Kübel mit sog. Schweitzer Giebel
Vier Linden bei den Vierzehn Heiligen
Zwei Birken umrahmen das weithin sichtbare Höhenkreuz am Litzenstrauch
Die Obstbäume der fast hundert Jahre alten Streuobstwiese in "den Dornhecken" dienten einst der Ernährung der Bevölkerung

Um Herbstein befand sich, wie einige alte Dokumente belegen, ein regelrechter Streuobstgürtel. Sogenannte Baumgärten befanden sich am Stockborn, am Burath, in den Hohlgärten, am Graben, im Heecher, am Heckenzaun, in der Untergasse, an den langen Gärten, im Egwerts, am Kleeberg und in den Dornhecken. Einige Restbestände haben sich bis in die heutige Zeit erhalten.

Drei Friedenslinden in der Oelegemer Straße (früher Alte Hohl). Sie wurden anlässlich des Friedensschlusses nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1871 gepflanzt.
Linde am Heiligblutbildstock an der "Filzbachbrücke" ca. 1910
Die selbe Linde in 2013
Das "Säubäumche" in der Alten Hohl. Eine sehr vitale Sommerlinde
Diese alte Eiche bei der Wolfsmühle ist über dreihundert Jahre alt, ca. 25 Meter hoch und hat einen Umfang von 4,60 Meter. Sie ist ein geschütztes Naturdenkmal.
Baumreihe an der Rhönstraße

Eine Reihe mächtiger alter Eschen und Linden stehen entlang der heutigen Rhönstraße. Diese war früher der Weg nach Fulda. Die Fuhrwerke überquerten das Scheerwasser durch eine Furt, die Fussgänger gingen über die Schrittsteine.

Schrittsteine am Scheerwasser
Große Esche am alten Fulder Weg (über der später gebauten Bahnlinie)

 (Quellen: Alte Liebenswerte Bäume in Hessen von Hans Joachim Fröhlich, Kirchenchronik Herbstein)