Herbsteiner Mundart

1. Geschwätz im Goadde

2. Mir boue es Kreppche uff

3. Ons schee Foaselt

4. Fostezeit in Herbstai

Geschwätz im Goadde

Hochdeutsche Übersetzung:

Na, Therese, willst Du ein wenig in Deinem Garten hacken?

Ach, ja, nach dem Regen ist die Erde so schön durchfeuchtet, da kann man das Unkraut gut herausziehen.

Wächst bei Dir auch so viel Vogelmiere?

Ach, ganz viel, und der Giersch ist ja noch schlimmer.

Den reiße ich immer für die Kaninchen heraus, den fressen die gerne. Ach, da kommt ja auch der Heinrich. Na, willst Du Deiner Therese ein wenig helfen? Du hast ja Deine Schubkarre voll geladen..

Ja, als hätten wir zuhause nicht genug Garten, nein, es muss auch noch ein Stück Gartenland auf dem Hain sein. Gerade  dort, wo es im Sommer immer sehr trocken wird. Jeden Tropfen Wasser muss man hier her schleppen, und eben gerade habe ich bemerkt, dass ich die Brause von der Gießkanne zuhause liegen gelassen habe…

Aber den Spaten hast Du mitgebracht, Heinrich, oder?

Ja, Therese, und den Rechen und den Karst auch, Du hast es ja auch dreimal gesagt..

Na, Josephat, Du bist ja auch unterwegs. Wo willst Du denn hin?

Ich will zum Gärtner Ruhl (In diesem Haus wohnte früher der Totengräber), einige Salatpflänzchen kaufen. Ich hatte so schöne Pflänzchen selbst gezogen, und jetzt haben sie die Nacktschnecken gefressen. Das ist ganz schlimm dieses Jahr mit diesen Tieren.

Da sagst Du was… und die Ameisen sind auch so schlimm. Meine Möhren waren so schön aufgegangen, und die Biester haben sie mir alle gefressen.

Ja, und die Erbsen haben die Vögel geholt. Ich wollte letzte Woche die Erde anhäufeln, aber das brauche ich nicht mehr zu machen, ich muss erst noch einmal nachsähen. Jetzt habe ich alte Fichtenreiser darüber gelegt, die hatte ich aufgehoben, weil die Katzen immer ihr Geschäft auf meinem Beet machen… und Erbsenreiser habe ich auch noch keine geholt.

Da wird’s aber Zeit, da sind ja schon Blätter dran. Guten Tag! Na, beratschlagt Ihr, wann geerntet wird? Da müssen die Pflanzen aber erst einmal wachsen. Pass auch, Therese, rutsch nicht aus mit Deinen Holzschuhen, der Gartenpfad ist noch feucht.

Das war knapp, beinahe wäre ich in die Kartoffel gefallen.

Dabei  wären auch einige Kartoffelkäfer draufgegangen.

Du mit deinem bösen Mundwerk, gerade Du musst mich ärgern.

Jetzt  sagt mir mal, wo kommt denn jetzt der wilde Wiesenkerbel her, ich habe doch erst vor einigen Tagen Unkraut gejätet. Man könnte meinen, den würde nachts wieder jemand einpflanzen..

Mitten in den Tagetes, den kann ich doch nicht stehenlassen. Heinrich, zieh den Stengel doch eben mal heraus. Nicht die Blume, ich brauche die Blüten doch für Fronleichnam, zum Altarschmücken. Also, man kann diesen Mann mit nichts beauftragen.

Jäte Dir dein Unkraut doch selbst … Du mit Deinem ständigen Genörgel.. ich säe  jetzt die Bohnen und stecke auch gleich die Bohnenstangen dazu..

Das kannst Du Dir sparen, es gibt einen trockenen Sommer, da hast Du hier auf dem Hain schlechte Karten. Da wird Dir alles verdörren.

Woher willst Du das denn wissen, Karl?

Es hat dieses Jahr am Karfreitag geregnet. Und unsre Großmutter hat immer gesagt, dass die Erde keine Feuchtigkeit hält, wenn es ins Heilige Grab regnet.

Naja, wir werden es merken… komm Josephat, wenn Du schon hier stehst und uns zusiehst, kannst Du mir auch eben mal das Körbchen geben.

Was hast Du denn alles da drin? Bohnen, Pflänzchen, sind das alles Steckrüben? Und was sind das für Sämereien?

Ich will noch einmal Möhren säen, und ein paar schöne Blumen will man ja auch haben…

Du mit Deinen Blumen..Tagetes, Bartnelken, Eisbegonien.. und wer muss sie gießen?

Rede nicht so herum und grabe, sonst werden wir heute nicht mehr fertig… Josephat, richte der Maria aus, dass ich Wirsing zum Setzen hätte und ein paar Mangoldpflanzen könnte sie auch noch bekommen, wenn es nötig ist.

Also, Heinrich, wenn Du so gräbst.. es ist doch schöne, feine Erde hier oben auf dem Hain, das hätte ich gar nicht gedacht.

Und sieh mal, Deine Weißkohlpflänzchen stehen gesund da, die Blätter bilden schon einen Kopf.

Ja, wenn es ab und zu regnet, gedeiht es selbst hier auf dem Hain.

Ach, Mensch, wir am Scheerwasser haben sehr lehmigen Boden.. ich verteile öfter Sand auf den Beeten, sonst faulen meine Pflanzen sehr schnell.

Ich habe dieses Jahr wieder ein Stück Ackerland in den Dornenhecken, das gefällt mir gut. Da gehe ich jeden abend hin, hacke ein wenig und gieße, der Josef aus der Hessenstraße hat mir meinen alten Wagen hingefahren mit einem Wasserfass drauf, da muss ich kein Wasser hintragen.

Ja, und die Leute können Dir nachts schön Deinen Weißkohl holen.. Mir haben sie letztes Jahr vom Großen Acker die Steckrüben geholt, gerade mal drei kümmerliche Pflanzen haben sie dagelassen, es ist nicht zu glauben.

Heinrich, zieh mir eben mal eine Rille mit Deinem Metallrechen, da will ich nochmal Radieschen säen.

Da, Josephat, nimm Deiner Maria einen Kopfsalat mit, ich habe momentan so viel, der schosst mir ansonsten. Willst Du auch einen, Karl?

Nein, wir haben auch sehr viel Salat, ich bin ihn bald überdrüssig. Und jetzt hat meine Luise nochmals gesät.. meinetwegen können den die Nacktschnecken fressen.

Ach, du lieber Himmel, ist es schon 17.45 Uhr? Ich muss mich beeilen, sonst ist beim Gärtner Ruhl das Geschäft schon geschlossen. Und wenn ich ohne Pflänzchen nach Hause komme, wird mich die Maria aber ausschimpfen. Auf Wiedersehn, Ihr Leute.

Auf Wiedersehn, Josephat. Richte der Maria aus, dass sie sich gerne noch Kopfsalat holen kann, wenn sie will.

Ich gehe auch weiter, die Luise möchte noch ein Stück Beet umgegraben haben.. arbeitet nicht mehr so viel..

Auf Wiedersehn, Karl. So, Heinrich, hast Du die Bohnen alle gesät? Dann wollen wir nach Hause gehen, aber einen Kopfsalat nehme ich mir mit für morgen, denn kann ich heute abend noch belesen.

Das kannst Du machen, aber die Nacktschnecken bleiben hier!

Mir boue es Kreppche uff

ons schee Foaselt

Fostezeit in Herbstai

Hochdeutsche Übersetzung:

 

Wir wollen Euch ein wenig erzählen, wie die Fastenzeit bei uns in Herbstein so abläuft.  So richtig beginnt sie ja erst nach dem sogenannten Halfeuer. Dann hat man auch seine für die Fastnachtszeit benötigten Dinge wieder in Ordnung gebracht und auf den Speicher getragen.

An Hutzelsonntag gibt man seine ausgeliehenen Kostüme bei der Fastnachtsvereinigung ab und abends geht man zum Halfeuer. In Herbstein werden vier Feuer entzündet: eines am Litzenstrauch, eines am Gallberg, eines am Rausch und eines am Hopfmannsfelder Pfad, und man geht zu dem Platz, zu dem man halt dazugehört. Es kommt nicht in Frage, zu einem anderen Feuer zu gehen. Wo man zuhause ist, ist man halt zuhause. Nachdem das Feuer abgebrannt ist, geht man zum sogenannten Hutzeln , heutzutage gehen die meisten Leute in die Wirtschaft. Man isst und trinkt und auf den Tischen stehen die Hutzeln, das sind kleine süße getrocknete Birnen, die in Zuckerwasser weich gekocht wurden. Da kann man es sich noch einmal gut gehen lassen, aber dann ist wirklich Fastenzeit.

Man geht öfters in die Kirche und meisten Leute fasten auch. Manche trinken keinen Alkohol und es gibt keine Süßigkeiten. Und freitags gibt es kein Fleisch und keine Wurst, wie das so üblich ist.

Schnell ist die Karwoche da. Zuhause wird fleißig geputzt und geschrubbt. Die Mutter möchte am liebsten alles auf einmal machen. Vorhänge werden gewaschen und wenn man nicht aufpasst, hat man den Putzlappen noch im Gesicht.

Auch heute ist es noch so, dass den Kindern erzählt wird, dass am Karfreitag und am Karsamstag die Glocken nach Rom fliegen und aus diesem Grund nicht läuten. Darum gehen die Kinder leiern, seit ein paar Jahren dürfen auch die Mädchen daran teilnehmen. Morgens um sieben, mittags um zwölf und abends um achtzehn Uhr laufen sie durch die Straßen, leiern angestrengt und manchmal ,wenn sie jemandem auf der Straße begegnen, singen sie, wie es schon früher war, ihr Liedchen:

 

Leier, leier Leberwurst,

die alten Leute essen die Wurst,

die Jungen müssen fasten,

die Löffel liegen im Kasten.

Und schon wird wieder geleiert, so laut, dass man glaubt, die Ohren fallen ab. Treffpunkt ist immer vor der Kirche und bevor es losgeht, wird zuerst auch noch der Engel des Herrn gebetet.

Am Karsamstag abends um neun ist dann die Osternachtsfeier, im Hof des Pfarrhauses wird ein Feuer entzündet. Und dann geht es ganz feierlich und ruhig in die Kirche hinein. Nur einige Kerzen brennen, sonst ist alles dunkel. Über zwei Stunden dauert der Gottesdienst, danach hat man sich die Feiertage redlich verdient.

Die kleinen Kinder haben am Samstag bereits fleißig Osternestchen gebaut, meistens aus Heu oder Stroh. Da kann der Osterhase dann seine Süßigkeiten und auch bunte Eier hineinlegen.

Früher wurden die Eier mit Zwiebelschale, Spinat oder Rote Bete gefärbt, aber heute gibt es ja eine Vielzahl von Farbsorten zu kaufen und sogar fertig gefärbte Eier. Aber manch einer kocht wieder wie früher Zwiebelschale und wenn er gerne diffizil arbeitet, bindet er sogar kleine Blättchen aus dem Garten um die Eier. Das Muster sieht dann so schön aus, dass es wirklich jedem gut gefällt.

Über die Feiertage gibt es viel Verwandtschaftsbesuche, der Patenonkel oder die Patentante kommen und legen auch noch etwas ins Osternest. Es gibt Kaffee und Kuchen und man unterhält sich. Die Jugend geht am Sonntagabend in die Wirtschaft und feiert, dass die lange Fastenzeit endlich vorbei ist.